Donnerstag, 29. Dezember 2011

Blog-Bilanz

Am Ende eines Jahres ist es Usus, Rückschau zu betreiben. So wollen wir uns heute mal diesem Blog widmen. Eine Bilanz in eigener Sache also.

Samstag, 17. Dezember 2011

Weihnachtsansprache

Eine stressige Woche liegt hinter uns. Es ist nicht die erste. Es ist wahrscheinlich die fünfzigste, gefühlt jedoch die hundertste, stressige und hektische Woche in diesem Jahr, in der wir nicht dazu gekommen sind, uns richtig zu entspannen.

Die Arbeitsverdichtung am Arbeitsplatz wird immer höher, dafür verdienen wir immer weniger Geld und haben immer schlechtere Aufstiegschancen. Und wenn wir nach Hause kommen, merken wir, dass diese Probleme an unseren Familien nicht vorbeigehen.

Mit der Demokratie nicht nur in unserem Lande geht es zu Ende. Egal, wen wir wählen, wir erhalten immer eine Regierung, die das Volksvermögen an Kapitalbesitzer verschleudert und sich das Geld durch Kürzungen bei Sozialleistungen, Schulen, Kindergärten oder Bahnlinien wieder hereinholt.

Obwohl die Krankenkassenbeiträge ständig steigen, werden die Wartezeiten beim Arzt ständig länger. Das Vertrauen in Kirche, Schule und andere Institutionen haben wir verloren. Bischöfe vertuschen die Machenschaften pädokrimineller Priester, Lehrer scheinen sich nicht mehr für ihre Schüler zu interessieren. Wir finanzieren unseren Kindern Studium, Auslandsaufenthalt und unbezahlte Praktika, nur damit sie anschließend dennoch arbeitslos sind.

Wir fühlen uns ausgebrannt. Wir fühlen uns alleine. Wir stehen am Tresen und trinken ein Bier nach dem anderen, nur um danach festzustellen, dass auch das nicht hilft.

Versuchen wir, all diese Schwierigkeiten für die kommenden Tage aus dem Kopf zu bekommen.

Machen wir einen Waldspaziergang. Atmen wir die frische Luft und genießen wir die Ruhe. Lassen wir die Schönheit der Natur auf uns wirken.

Treffen wir alte Freunde. Erinnern wir uns an gemeinsame Zeiten und hören uns Geschichten aus ihrem Leben an.

Besuchen wir einen der Weihnachtsmärkte in der Provinz. Freuen wir uns an den Angeboten, die unsere engagierten Mitbürger für uns auf die Beine gestellt haben. Oder packen wir selber an. Wärmen wir uns am Glühwein und am Kinderpunsch auf.

Lassen wir den Fernseher aus und machen eine Lesestunde mit unseren Kindern.

Machen wir mit den Eltern einen Ausflug zum Friedhof. Danach gibt's Kaffee und Kuchen.

Gönnen wir uns einen Abend in einem der zahlreichen erstklassigen Restaurants im mittleren Preissegment, die es gerade hier in der Saarregion gibt. Genießen wir dazu einen famosen Bordeaux bei Kerzenlicht.

Hören wir mal wieder besinnliche Weihnachtslieder und lassen wir uns davon das Herz erwärmen. Aber schmeißen wir "Last Christmas" vorher aus unserer iTunes-Musikbibliothek raus.

Freuen wir uns auf ein arbeitsfreies und verlängertes Weihnachts-Wochenende.

Wir werden erleben, dass die Welt noch fröhliche Dinge zu bieten hat und dass wir unseren Arbeitsalltag ausblenden können.

Ich wünsche allen Lesern die Kraft, ein harmonisches Fest zu feiern und vom Alltag abschalten zu können.

In diesem Sinne Frohe Weihnachten!

Montag, 5. Dezember 2011

Warum Gottschalk geht

Am vergangenen Samstag erlebten wir einen der erhebenden Fernsehmomente: TV-Urgestein Thomas Gottschalk verabschiedete sich von seinem Publikum nach insgesamt 24 Jahren "Wetten, dass...?".

Sonntag, 4. Dezember 2011

Willkommen im Bionade-Biedermeier

Letztens haben meine Partnerin und ich an einer Wein-Degustation im Bioladen unseres Vertrauens teilgenommen. Während zu kleinen Häppchen wie Dinkelbaguette mit Champignon-Pâté exzellente Weine aus kontrolliert biologischem Anbau gereicht wurden, wurde meine Zunge nach und nach schwer, waren schließlich vierzehn schmackhafte Weinsorten zu verköstigen. Nachdem die Party vorüber war, und ich mich im leicht alkoholisierten Zustand um den Schriftkram kümmerte („Was ist denn das?“ – „Das sind Stift und Zettel.“ – „Ah.“) wurde der Bestellzettel länger und länger.

Dienstag, 29. November 2011

Vom Ende der Unschuld

Welches Gedenken in Zusammenhang mit einem Fortpflanzungsakt findet alle Jahre wieder im Dezember statt?

Na, gewusst?

Richtig!

Am 1.Dezember ist Welt-AIDS-Tag.

Dienstag, 1. November 2011

Boudin de Saison



Auf unserer Paris-Reise 2010 haben meine Begleiterin und ich uns ein ganz besonderes Fleckchen der Stadt ausgesucht: Die Rue Mouffetard im Quartier Latin, dem In-Viertel der Intellektuellen, Studenten und Künstler in der Stadt der Liebe.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Schriftsteller als Models

An der Bushaltestelle vor unserem Haus hängt neuerdings eine Werbung der Firma Peek & Cloppenburg. "Unsere spannendsten Krimiautorinnen präsentieren die neue Herbstkollektion," steht darauf.

Ungläubig reibe ich mir die Augen. Da posiert so ein zierliches, gutaussehendes und selbstredend dünnes Püppchen mit der neuen Herbstmode, um auf ihre literarischen Höchstleistungen aufmerksam zu machen.

Donnerstag, 1. September 2011

Loriot

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 saß ich im Audimax der Universität Mannheim und verfolgte das Halbfinalspiel zwischen den Gastgebern aus Südkorea, die erstmals so weit gekommen waren, nachdem sie schon jahrelang an jeder WM teilgenommen hatten, und den Deutschen, die fast immer im Halb- oder im Finale landen (2012 werden sie Europameister). Es gab nur zwei Personen, die Südkorea die Daumen hielten (während 200 das für die Deutschen taten), und einer von diesen beiden durfte das: Er war Koreaner, er stand zu seiner Elf. Der andere war ich.

Dienstag, 19. Juli 2011

Saarländer! Haltet an euren Tugenden fest und alles wird gut!

Empfehlungen an die Saarländer.

Hört nicht auf das, was andere sagen! Hört auf euren Instinkt, und eine neue Blüte wird über das Land kommen.

Sonntag, 20. März 2011

Leipzig lockt

Am Freitag Morgen war es endlich soweit. Um 6.45 Uhr wollte ich den Zug nach Leipzig nehmen, Seminar und Hotel waren gebucht, das Online-Ticket für die Buchmesse lag ausgedruckt bereit. Und dann? Husten, Schnupfen, Halsschmerzen. Verdammt. Ich verschob die Reise, wollte um neun Uhr losfahren. Doch kurz vor neun fühlte ich mich immer noch nicht gut.
Was nun? Da hatte ich eine Vision. Manga-Mädchen! Die Erinnerung an die Frankfurter Buchmesse ließ mich hochschnellen, in Windeseile war ich reisefertig und saß im Zug, der um elf Uhr Richtung Frankfurt unterwegs war.

Leider hatte ich die Frühlingsjacke dabei und den Kälteeinbruch total unterschätzt. Bei der Erkältung nicht gerade ein Grund zur Freude. Das schlechte Gefühl wurde nicht weniger, als ich dem Sitznachbarn beim Essen zuschauen musste. Er hatte eine riesige Tüte mit Lebensmitteln dabei. Als erstes aß (besser hieße es: fraß) er ein ganzes Baguette, das mit Frikadelle belegt war, dann eines mit Fleischkäse. Schließlich packte er auch noch einen Lyonerweck aus. Zwischendurch leckte er sein T-Shirt ab, auf das Essensreste gefallen waren. Als er schließlich noch eine Dose Fisch öffnete, bin ich gegangen. Hatte keinen Bock, dass der mir noch auf die Hose bricht.

Frierend traf ich in meinem Hotel ein, das in einer sehr belebten und alternativen Ecke der Stadt, dem Südplatz lag. Dort gibt es viele Kneipen, Restaurants… aber so gut wie keine Geldautomaten, und außer einer Nachtverkaufsstelle und einem Aldi keine richtigen Geschäfte. Bis ich mich zurechtgefunden hatte, war der Abend fast vorbei.

Die erste Veranstaltung führte mich zur Nicolaischule (neben der berühmten Kirche), nachdem ich mir vorher bei C & A einen anständigen Wintermantel gekauft hatte. Wilfried Voigt las aus seinem Buch „Die Jamaica-Clique“ (Conté Verlag), ein Buch, das eine unglaubliche Kette von Skandalen aufzeigt, die die Politiker der saarländischen Landesregierung miteinander verbindet. Den Absacker trank ich auf der „Party der jungen Verleger“ in der ehemaligen Hauptpost, wo man Jugendliche aus Leipzig treffen konnte, wenn man schon die Verlagsleute nicht kannte.

Einen Besuch in Auerbachs Keller habe ich mir übrigens verkniffen. Zwar sagt mein kleiner Bruder, mein aktueller Roman habe viele Goethe-Anleihen, aber Auerbachs Keller ist heute nicht mehr die urige Bierkneipe von damals, sondern ein sündhaft teures Luxus-Restaurant, das nicht unbedingt zu meinen Bedürfnissen passt. Es gibt übrigens auch einen dazugehörigen Club Mephisto.

Der zweite Tag war für die Bücherausstellung in den Messehallen reserviert. Und hier waren sie und erfreuten mein Auge: Die Manga-Mädchen! Wie viele von uns hier an der Saar noch nicht mitbekommen haben, ist Leipzig nicht nur das Zentrum der Wave-Gotik-Bewegung, sondern auch der Anime-Manga-Jünger, die sich wunderschön verboozen, um ihre Lieblings-Comic-Figur nachzuahmen, das nennt sich Cosplay. Einige der schönsten Kostüme sind so vorteilhaft geschnitten, dass man den jugendlichen Brüsten beim Knospen zusehen kann, um es mit Stephen King zu sagen. Ganz so "pröbbevöll", wie der Taxifahrer am Abend zuvor geunkt hatte, war es in den Messehallen übrigens nicht. Frankfurt ist schlimmer!

Zwei Stunden lang durfte ich im Konferenzzentrum auf der Messe an einem höchst interessanten Seminar für angehende Schriftsteller teilnehmen. Leider nur zwei Stunden. Man bräuchte eigentlich ein Wochenende dazu! Die Leute vom Conté-Verlag habe ich dann in der Messehalle wiedergetroffen. Da ich ihren zurzeit beliebtesten Thriller erwarb, lief ich fortan mit einer „Saarland“-Umhängetasche über das Messegelände im fernen Sachsen. Verrückt, oder?

Wer mich noch fasziniert hat? Tanja Dückers. Eine absolut intelligente und schlagfertige Person, deren Interview mit der ARD ich mir angesehen habe.

Der Abend war für Daniel Domscheit-Berg reserviert. Der Wikileaks-Aussteiger erzählt in seinem Buch „Inside Wikileaks“ von seinem Zerwürfnis mit dem Gründer des Enthüllungsportals Assange, und warum er mit ihm zusammen nicht mehr weitermachen konnte. Eine ganz interessante Geschichte, die die Konflikte skizziert, die ein selbsternannter Weltverbesserer mit einem Menschen haben kann, der sich wie ein Psychopath verhält und den eigenen Ruhm über den Schutz der Geheimnisverräter und der internationalen Beziehungen (oder was auch immer) stellt und sich parasitär von anderen ernährt („er wohnte bei mir, ich habe gekocht und kaum was vom Essen abbekommen“). Da könnte man auch einen wundervollen Roman draus stricken.

Diese taz-Veranstaltung fand in einer ehemaligen Lebensmittelfabrik unweit meines Hotels statt, was sich wirklich gut gefügt hat. Als ich beim „Burger-Meister am Südplatz“ mein Abendessen zu mir nahm, lernte ich ein neues Wort: „Göddöffelsölööd“. Ist eine der Lieblingsspeisen der Leipziger, und da sieht man mal, was die für eine exotische Küche drauf haben.

Die Heimfahrt heute Mittag war die Hölle. Vier Stunden für eine Strecke, die die französische Bahn in zweien schaffen würde, Stehplatz direkt am Klo, eine Stunde Wartezeit in Weimar, wo der ICE zum Regionalzug umfunktioniert wurde. Den Anschluss in Frankfurt natürlich verpasst und ab in den Bummelzug an der Nahe entlang! Immerhin habe ich eine Schriftstellerin kennen gelernt. Sie ist sehr alt und schreibt immer noch mit Schreibmaschine. Sie hatte auf der Messe eine Lesung gehalten.

Das Netz des ICE der deutschen Bahn besteht übrigens zu 95% aus Langsamfahrstrecken. Die einzige Strecke, auf der der Zug seine Geschwindigkeit wirklich ausfahren kann, ist Paris - Metz. Wenn das deutsche Autobahnnetz in einem solchen Zustand wäre wie das Schienennetz oder die Atomkraftwerke, dann wäre Frau Merkel schon lange nicht mehr im Amt, weil 40 Millionen mit erhobenen Schuhen tagtäglich vor dem Kanzleramt protestieren würden.

Ach, und morgen geht die Plackerei wieder los!

Hier eine wirklich gute Zusammenfassung der Buchmesse auf ZEIT ONLINE.