Donnerstag, 18. Dezember 2014

Respekt!

Ich bin am Dienstag mit dem Rad durch Berlin gefahren. Nach Einbruch der Dunkelheit (so kurz vor dem Nordpol ist es momentan bereits um 16 Uhr soweit) bin ich den Weg von Rathaus Pankow nach Wedding-Nettelbeckplatz gefahren. Auf Höhe des Klosters in Pankow wurde ich fast von einem SUV (Geländeauto) umgemäht, der auf dem Bürgersteig parkte und herausfahren wollte. In Wedding wurde ich beim Versuch, abzubiegen, von einem Auto geschnitten und angehupt, im darauffolgenden Streckenabschnitt war der Radstreifen komplett zugeparkt. Was nicht nur mir, sondern auch den auf dem Fußgängerweg parkenden Autofahrern gegenüber unfair war. Brennende Zigaretten, die mir entgegengeschleudert wurden, signalisierten mir meine Erwünschtheit im Straßenverkehr einer deutschen Großstadt. Was fehlt, ist Respekt.

Ein paar hundert Kilometer südlich trafen sich ausgerechnet am Dresdner Hygiene-Museum 15.000 Menschen, um gegen Ausländer und Einwanderung zu demonstrieren. Die ganz normale Schäbigkeit des deutschen Spießertums wird wieder offensiv nach außen getragen. Politiker der beiden konservativsten Regierungsparteien beeilten sich sogleich, den protestierenden Wutbürgern in ihrem Furor zur Seite zu springen und sich ihnen anzubiedern. Dass die Arbeit mit neu ins Land kommenden Flüchtlingen anstrengend ist, ist das eine. Dass die Menschen Angst haben, eine Angst, die man nicht leicht begründen kann, ist das andere. Doch es geht nicht, seine nackte Angst und seine Wut gegen Menschen zu richten, die man nicht einmal kennt. Jeder Mensch besitzt Würde. Auch der Flüchtling. Was fehlt, ist Respekt.

Einige der Menschen, die mit der Unterstützung von Flüchtlingen betraut sind, arbeiten an Orten, die so unbeliebt sind, dass sie wenige qualifizierte Mitarbeiter anziehen. Orte, die als Arbeitsplatz verrufen sind. Die einen sagen, in solch einer menschenfeindlichen Anstalt möchte ich nicht arbeiten, die anderen sagen, mit Schmuddelkindern, wie diesen Flüchtlingen zum Beispiel, möchte ich nichts zu tun haben. Wenn wieder einer derjenigen, die an diesem undankbaren Orte ihren Dienst tun, erstochen wird, dann jubelt die Masse und bekundet Verständnis... für den Täter. Es jubeln die am Lautesten, die am Sichtbarsten gegen Nazis auf die Straße gehen. Für das Opfer hat niemand Verständnis. Hätte er/sie eben einen anständigen Job lernen sollen! Was fehlt, ist Respekt.

Euch allen ein wunderbares Weihnachtsfest, Chanukka, Wintersonnwende... oder wenigstens ein paar schöne, gemütliche Tage in der warmen Stube.


Samstag, 6. Dezember 2014

Klopp neuer Trainer in Dortmund (Vorsicht! Satire)

Nach einer Serie von Niederlagen hat sich Borussia Dortmund von seinem bisherigen Trainer getrennt.

Als Nachfolger wurde Jürgen Klopp (Foto) verpflichtet. Der frühere Trainer des 1.FSV Mainz 05 gilt als Spezialist für den Abstiegskampf. "Ich habe 98 Prozent aller Abstiegskämpfe bestanden, an denen ich teilgenommen habe", sagt Klopp in einer Pressekonferenz.


Juergen Klopp 2014
von Tim.Reckmann (Eigenes Werk)
[CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)],
via Wikimedia Commons

Klopp machte seinem Ruf als Abstiegsspezialist alle Ehre und gewann gleich sein erstes Spiel gegen Hoffenheim mit 1:0. Mit leidenschaftlichem Kampf-Fußball, so wie man die Dortmunder schon ewig nicht mehr erlebt hatte, bestätigte er das Sprichwort "Neue Besen kehren gut".

Was der bisherige Trainer der Borussia macht, ist unbekannt. Nach gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen ist er als Manager des Liverpool FC im Gespräch. 

Donnerstag, 6. November 2014

Was ist los mit Borussia Dortmund?

Seit Wochen will den schwarz-gelben Borussen aus Dortmund in der Bundesliga nichts gelingen. Während der Woche erlebt das Publikum der kostenpflichtigen Privatsender Traumpässe en masse, zwischen Feuerwerkskörpern aus dem Gästefanblock fallen Tore wie am Fließband, während am Wochenende der Sensenmann der Bundesliga hinter dem Tor von Torwart Roman Weidenfeller seine Bahnen zieht.

Was ist los mit Borussia Dortmund?

2008 begann beim BVB eine neue Zeit: Jürgen Klopp übernahm Borussia und verzauberte mit einem Fußball im neuen Stil die Liga. 2 Meisterschaften und das göttliche 5:2 im Pokalfinale 2012 gegen Bayern schrieben Bundesligageschichte. Ein Jahr später gelang die Finalteilnahme in der Champions League. Eine Super-Serie. Die jede Menge Kraft gekostet hat.

Wie kraftzehrend der Sturmlauf der Schwarz-Gelben war, sieht man jetzt. Die Baustellen der Borussia verteilen sich auf folgende Gruppen:
  1. Die On-Off-Verletzten: Kaum genesen, schon wieder im Krankenhaus! Die Seuche will einfach nicht vorbei gehen. Und ist eine Verletzung mal wirklich ausgeheilt, dann droht die Formschwäche wegen des Trainingsrückstands! Betr.: Sven Bender, Reus, Gündogan, Blaszykowski, Piszek (zeitweise), Kirch, Hummels.
  2. Die Ersatzweltmeister: 4 Wochen unter der heißen Sonne Brasiliens, jeden Tag eine lange Trainingseinheit, knappes Essen, Lagerkoller. Wie nennt man so etwas? Stress! Wie baut der Mensch am besten Stress ab? In dem er das tut, was er am Liebsten macht. Bei den meisten Menschen reicht Sex. Aber was ist mit einem, der seit dem 4. Lebensjahr nichts anderes gemacht hat als auf einem großen Platz gegen Gleichstarke Fußball zu spielen? Gute Nachrichten für den FC Bayern: Lahm, Schweinsteiger, Neuer, Robben & Co. konnten in Brasilien reichlich Stress abbauen. Großkreutz, Durm, Ginter und Weidenfeller konnten dies nicht.
  3. Die Neuen: Mikhitaryan und Aubemeyang sind erst das zweite Jahr dabei, Immobile, Ramos und Ginter kamen diese Saison neu in die Mannschaft. Es dauert, bis man sich eingespielt hat.  Auch Thiago oder Benatia bei Bayern fällt das nicht leicht. Die müssen jedoch nicht all die Verletzten und Formschwachen ersetzen, da Bayern alle Positionen doppelt mit Weltklassespielern besetzt hat.
In der Saison 1974/75 war Bayern als eine der beiden neuen Topmannschaften nach einem Weltmeistertitel besonders gefordert und geschwächt. Die Mannschaft wurde als amtierender Meister nur Zehnter (gewann allerdings den UEFA-Champions-Cup-Wettbewerb). Diese Rolle kommt diesmal Borussia Dortmund zu (während die Bayern wie Major Tom völlig losgelöst im Orbit schweben). 

Es wird auch wieder aufwärts gehen. Da gehe ich jede Wette!

Samstag, 1. November 2014

NaNoWriMo - Das Tagebuch



Der erste Tag ist furios gestartet: 2500 Wörter! Kein Wunder, wenn man einen solch schönen Schreibtisch hat:


Update 6.11.14: Ich bin inzwischen bei etwas mehr als 6500 Wörtern, eigentlich müsste ich bei 10.000 sein! Was gibt es Schöneres, als im Café uff de Nauwies zwischen all den jungen Single-Studentinnen über Sex zu schreiben? Ja, denn genau das habe ich getan!






Mittwoch, 22. Oktober 2014

Propaganda des Alltags

Immer, wenn das Gespräch auf meine Zweitkaffeemaschine im Büro kommt, ein Dolce-Gusto-Automat von Nestlé und Krups, der mit einem Plastikkapsel-System arbeitet, dauert es nicht lange, bis die Kritik kommt. Sie richtet sich seltener gegen den hohen Preis, den man für eine Tasse Kaffee latzt, sondern meist gegen den vermeintlichen ökologischen Frevel.

"Was für eine Verschwendung von Aluminium!" - "Die Kapsel ist aus Plastik!" - "Trotzdem so viel Müll! Meine Senseo-Pads kommen nach ihrer Verwendung auf den Kompost." - "Ich kann die Kapseln recyclen, wenn ich sie vorher aufschneide, um das Wasser herauszulassen. Außerdem schmeckt mir Filterkaffee nicht, weil er die wertvollen Schwebstoffe aus dem Kaffee herausfiltert." - "Ich habe letztens irgendwo gelesen, dass Filterkaffee gesünder ist als Espresso. Es gab da eine Studie."

Wir Deutschen haben für alles Studien, und diese unterscheiden sich von der seit Jahrtausenden in Südeuropa gelebten Realität massiv. So wurde bewiesen, dass Braten mit Olivenöl Krebs verursacht. Daher solle man das "gute" Sonnenblumenöl oder Rapsöl nehmen. Abgesehen davon, dass in Südeuropa beide Ölsorten so gut wie unbekannt sind und dass die Lebenserwartung dort höher ist als in Deutschland, obwohl die Menschen seit Hunderten Generationen mit Olivenöl braten, sind solche Studien nur hier bekannt.

Mein Versuch, zuhause wenigstens eine politisch korrektere Kaffeemaschine zu verwenden, endete im Desaster. Ich klapperte alle Geschäfte der Region ab, weil ich mich in eine Kaffeemaschine verliebt habe, die aus dem Heimatland des Espresso kommt. Würde uns an der Europäischen Union und dem Euro etwas liegen, hätte ich damit auch eine Unterstützungsmaßnahme für die italienische Wirtschaft unternommen.

Doch, weit gefehlt. In den Geschäften weigerte man sich, mich zu bedienen. Meine Mutter beschwor mich mit Engelszungen unter Zuhilfenahme des bitteren Schicksals meiner Tante, die eine Maschine vom gleichen Typ gekauft habe, die nicht funktioniere, doch ein deutsches Modell zu nehmen. Zwecklos! Ich kaufte bei Amazon.

Ausgerechnet Amazon! Weißt du denn nicht, was das für eine Firma ist? - Doch, eine, die hoffnungsvollen Jungautoren, die der Literaturbetrieb abgelehnt hat, eine Chance zur Veröffentlichung gibt, die diesen Namen verdient. - Aber die beuten doch ihre Mitarbeiter aus! - Ach, und bei Mercedes arbeiten keine Werksvertragsarbeiter?

Es ist zwecklos. Besonders doppelbödig agiert die deutsche Moral, wenn es um ökologische Fragen geht. Da ist eine Dolce-Gusto-Kaffeemaschine eine einzige Umweltsauerei, während das tägliche Pendeln mit dem eigenen Automobil eine ökologisch korrekte Verhaltensweise verantwortungsvoller Mitbürger darstellt.

"Die Preise für den öffentlichen Nahverkehr sind einfach zu teuer. Das kann man doch keinem zumuten." - Klar, wenn man fünfunddreißigtausend Euro für den neuen Golf (der ein Durchschnitts- und Standardautomobil darstellt) bezahlt hat, kann man sich die einsfuffzich für den Bus natürlich nicht mehr leisten.

Man hat sich ja das Recht gekauft, am Pöbel vorbeizufahren, der am verschneiten Bahnhof auf den verspäteten Zug wartet (weil die Bahn in Deutschland chronisch unterfinanziert ist), und neuerdings eben auch auf der Busspur, wenn im Porsche noch eine kleine Elektronikeinheit im Motor eingebaut ist. Welche lebensschädliche Wirkung diese Form des modernen Pendelns mit dem eigenen Auto hat, kann man sich täglich in Saarbrücken ansehen, in dieser hässlichen und vollkommen unbewohnbaren Stadt, in der sich die Automobilabgase täglich zu einem üblen Smog aufstauen.

Den Smog im Übrigen, den hat man aus dem Wortschatz der Deutschen gekillt (außer, wenn er in China vorkommt). Davon redet heute niemand mehr, nachdem die Autoindustrie vermutlich den Zeitungsverlagen mit dem Zurückziehen von Anzeigen gedroht hat.

Die Propaganda des Alltags ist wirksam: Gut ist, was aus deutschen Unternehmen kommt. Schlecht ist, was aus Südeuropa kommt.

Und für alles, was es zu beweisen gilt, gibt es Studien.

Freitag, 13. Juni 2014

Die (höchst subjektive) Geschichte der Fußball-WM

Meine erste Fußball-WM sollte die Weltmeisterschaft 1982 in Spanien werden, was ich sehr praktisch fand, weil ich zu der Zeit mit meinen Eltern dort im Urlaub war. Ich war sechs Jahre alt und schon damals so unsportlich, dass ich nur an passivem Fußballspiel interessiert war.
Leider gab es in der Ferienwohnung keinen Fernseher.

So musste meine erste Fußball-WM vier Jahre später stattfinden. Ich erinnere mich an eine Klassenfahrt, bei der der Rektor meiner damaligen Grundschule das Gerücht verbreitete, unser Teamchef Franz Beckenbauer würde sich selbst einwechseln, als ein Verteidiger verletzt war.

Ich hatte zu dieser Zeit in meinem Zimmer einen uralten Fernseher stehen, auf dem ich das Finale verfolgte. Eine mit Wasserfarben selbst gemalte Bundesflagge schmückte den Raum, und schon konnte es los gehen. Ich erinnere mich daran, dass es immer hin und her ging, Jubel und Enttäuschung lösten sich ab. Am Ende gewannen die Argentinier 3:2.

1990 waren wir erneut im Urlaub. Mit Freunden hatte ich vereinbart, dass ich sie anrufen würde, falls die Deutschen Weltmeister würden. Leider konnte ich mein Versprechen nicht halten, weil es diesmal in der Ferienwohnung zwar einen Fernseher, aber kein Telefon gab. Handys waren noch nicht wirklich erfunden.

Die WM 1994 war so langweilig, dass ich sie weitgehend aus meinem Gedächtnis verdrängt habe. Manches ist jedoch hängen geblieben: Das Public Viewing mit dem Politik-Leistungskurs bei strömendem Regen unter freiem Himmel auf einem nackten Wiesenstück in Wiesbach (unvergesslich, sowas!) und das Spiel, bei dem Matthäus zunächst einen Elfmeter verschoss und die Deutschen danach wegen Hochnäsigkeit das Spiel gegen Bulgarien nach einer Führung noch verloren. So ganz konnte ich meine Schadenfreude darüber nicht verbergen. Die Halbfinals und das Endspiel waren dann mit das Schlimmste, was der Fußballwelt je aufgetischt wurde. Kein Wunder, dass sich der Soccer seitdem in den USA nicht durchsetzen konnte.

Bei der WM 1998 haben wir mal mit Kommilitonen zusammen ein Spiel gesehen. Ein Kollege hat immer ein Hupkonzert veranstaltet, wenn die Deutschen ein Tor hineinbekamen. Er hat oft hupen müssen.

Die Weltmeisterschaft von 2002 fand in Japan und der Republik Korea statt, was bedeutete, dass die Spiele um die Mittagszeit durchgeführt wurden. Das hieß, dass man als Berufstätiger oder - wie ich - als Student kaum eine Chance hatte, die Spiele zu sehen. Zumindest musste man seine Zeit gut einteilen können. Statt den Vorlesungen und Seminaren wurden daher an der Uni Mannheim die Kneipen in Uninähe stark frequentiert, die kostenloses Public Viewing anboten.

Ich erinnere mich an das Halbfinale Deutschland gegen Korea, bei der im Audimax 200 Studenten für Deutschland und ein wackerer Koreaner für den Gastgeber jubelten. Nach der Veranstaltung kam ich bedauernswerterweise zu spät zum Hauptseminar, was der Professor gar nicht gerne sah, weil ein Soziologe über sowas wie Nationalstolz drüber stehen müsse. Zum Finale saßen wir im Familienkreis mit Freunden zu siebt vor dem Fernseher und aßen Pfannkuchen.

2006 befand ich mich im Zentrum der fußballverrückten Welt. In Berlin kündigte sich die Fußball-WM dadurch an, dass zunächst die türkischen und kroatischen Bewohner der Stadt, aus Enttäuschung, weil "ihre" Mannschaften mangels Qualität nicht teilnehmen durften, ihre Autos und Wohnungen schwarz-rot-gold flaggten. Das graue Herbstwetter machte pünktlich zum Eröffnungsspiel am 7.Juni Platz für blauen Himmel und Sonnenschein. Da wusste ich: Auch Petrus ist Fußballfan.

Vom Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica habe ich nur wenig mitbekommen, weil in den Gartenrestaurants in Prenzlauer Berg, wo ich die Vorrunde angesehen habe, selten ein Blick auf die Leinwand möglich wurde, so voll gestopft waren alle Public-Viewing-Plätze in Berlin. Ich erinnere mich, wie das Getrampel der Fußballfans nach dem Sieg gegen Polen fast die S-Bahn unter dem Potsdamer Platz aus ihrem Gleis gehoben hätte.

Das Spiel Deutschland gegen Argentinien warf im neu eingeweihten Hauptbahnhof am Spielort Berlin seine Schatten voraus, als sich die angereisten blau-weißen südamerikanischen Fußballfans mit den schwarz-weißen Horden einen Wettkampf um die lautesten Stimmen lieferten. Wer den Berliner Hauptbahnhof kennt, kann sich das Echo vielleicht vorstellen. Das Herzschlag-Elfmeterschießen habe ich im ICE nach Saarbrücken miterlebt, als Kombination aus SMS-WM-Paket und Durchsagen des Schaffners.

Nachdem die Franzosen die Brasilianer überraschend besiegt hatten, haben wir mit den Franzosen in Saarlouis gefeiert, und unser zu verabschiedender Junggeselle hat das viel zu enge Tricot einer Freundin der Equipe Tricolore im Tausch erworben.

Den Kopfstoß Zidane gegen Materazzi im Finale verfolgte ich auf der Fanmeile in Begleitung meines Bruders und seines Kumpels. Als wir noch den Auftritt von Shakira im 10 km entfernten Stadion bewunderten, sprach plötzlich eine bekannte Stimme zu uns: Bill Clinton! Die Fanmeile in Berlin war angefüllt mit Menschen aus aller Welt: Franzosen, Italienern, Polen, Mexikanern... und Fernsehteams - soweit das Auge reichte.

2010 hatte ich eine gemeinsame Wohnung mit meiner damaligen Freundin, und ich verbrachte die meisten Abende in unserem Gästezimmer, wo ich an meinem Roman "Der Mann mit der Säge" (Arbeitstitel) schrieb. Während der Schreibarbeiten sah ich fern. Fußball. Einmal schaute ich im Wohnzimmer: Es war das Viertelfinale: Uruguay gegen Ghana - eines der heiß umkämpftesten Spiele aller Zeiten. Als ich ins Bett kam, war es deutlich nach Mitternacht.

Das Spiel um Platz drei, Deutschland gegen Uruguay, verfolgte ich in einer Gaststätte im Gräfekiez in Berlin-Kreuzberg. Nach dem Spiel setzten mein Kumpel und ich uns, mit Bierdosen bewaffnet, an das Ufer des Landwehrkanals auf Höhe Urbankrankenhaus Irgendwann mitten in der Nacht wachte ich auf. Mein Kumpel war noch da, aber er sagte: Komm, lass uns gehen. Ein vernünftiger Vorschlag. Das Finale verfolgte ich am Prater in Prenzlauer Berg mit einem anderen Kumpel. Es war eines der schwächsten Finals, die Entscheidung fiel erst in der Verlängerung, kurz vor Schluss. Ich hätte es Holland mal gegönnt...

Als ich nach einem Termin mein Leihauto in Sankt Johann abstellte, wusste ich im Juni 2014 noch nicht, ob im Nauwieser Viertel Spiele gezeigt würden. Sie wurden. Im Fleur de Bière wurde ich Zeuge einer der übelsten Schwalben, die je in einem Strafraum geschauspielert wurden und des ersten Eigentors der Brasilianer bei einer WM. Und doch gewannen sie, als Gastgeber.

"Leg die Welt an den Punkt. Geduld ist ungesund."
(Herbert Grönemeyer).

Ich wünsche allen Fußballfans viel Spaß, auch bei dieser WM.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Der Datenklau und seine Folgen - E-Bay und ich

Der Datenklau-Skandal bei E-Bay weitet sich aus: Laut Golem sind alle Nutzer betroffen.

Dass sich da in all den Jahren immer noch nix geändert hat!

2008 war ich überrascht, als vor meiner Haustür ein wütender E-Bay-Kunde stand, der mich entrüstet fragte, wo denn verdammt nochmal das Navigationsgerät sei, dass ich ihm verkauft hatte.

Ich, der noch nie ein Navigationsgerät in der Hand hielt, wusste von nichts.

Ich erfuhr, dass sich bereits eine Art Bürgerinitative von Leuten, die durch mich geprellt worden waren, gebildet hatte. Mit Mühe und Not gelang es mir, die Geschädigten telefonisch zu besänftigen und den "Besucher" zu beruhigen.

E-Bay ging derweil auf Tauchstation. Da konnte auch eine Anzeige bei der Polizei nichts ändern. Meine Briefe (per Post, nicht per E-Mail) blieben unbeantwortet.

Seitdem habe ich diese Ramschbude kaum noch genutzt.

Samstag, 10. Mai 2014

Entrümpeln

Man sagt, dass der Mai ein Monat sei, der alles neu macht. Du hast Recht, Grund zu beklagen hatte ich nie in all diesen Jahren. Ich hatte gerade erst Abitur gemacht, als wir uns trafen. Wir blieben zusammen, vielleicht weil es bequem war, doch in den letzten Jahren machten wir es immer seltener miteinander.

Nun ist die Zeit gekommen, dich für etwas Jüngeres, Schlankeres und Schöneres auszutauschen. Du hast Recht, das mag unfair sein, denn du hast in all diesen Jahren immer stets zuverlässig das gemacht, was ich von dir erwartet hatte. Doch das war wahrscheinlich am Ende zu wenig.

Gib's zu: Wenn die Neue mich heute Abend zum Eurovision Song Contest und nächsten Monat in die Fußballstadien von Brasilien begleitet, dann gibt sie dabei ein verdammt viel besseres Bild ab als du. Nun stehst du hier, betrübt, und ich schaue dich noch einmal an, so wie ich dich in der Vergangenheit immer wieder angeschaut hab'.


Und ich sag danke, liebe Samsung, für 19 Jahre,  die ich dich, du mich und wir uns unterhalten haben.

Montag, 28. April 2014

Illuminiert

Nee, keine Sorge! Ich bin nicht Mitglied einer Geheimloge geworden... Obwohl, wer weiß?

Wenn schon nicht ich selbst, so war es heute Abend ein Teil der Saarbrücker Innenstadt, der illuminiert wurde, von Studierenden der Hochschule der Bildenden Künste. Womit bewiesen wäre, dass die dort produzierte "brotlose" Kunst doch zu was gut ist. In diesem Falle zum Beispiel als spektakuläre Werbung für die neugestaltete Berliner Promenade.

Während mein Auge die Animationen auf sich wirken lässt und einen Comic in der Realität zu erleben glaubt, genießt mein Ohr die Kiffer-Musik von Causa Sui, und welcher Geruch von nebenan rauchenden Teenagern mir in die Nase steigt, brauche ich euch wohl nicht zu erzählen... 🍀




Dienstag, 21. Januar 2014

Grüne Woche

Es war wohl Fügung, in einem Hostel abzusteigen, in dem man für einen Mondpreis (nach Berliner Verhältnissen) von 5,50 € nur trocken Brot als "Frühstück" bekommt.

Denn der Besuch der Grünen Woche in Berlin verlangt schon beim Eintritt einen hungrigen Magen... Und eine gute Grundlage! 

Hunger!!!! - es empfiehlt sich, mit leerem
Magen zur Messe zu kommen. Es lohnt sich.

Ich habe wohl noch niemals in meinem Leben so viele Spirituosen getrunken. Gefühlt jeder Nachfolgestaat der Sowjetunion, jede Teilrepublik und jedes Nachbarland eines dieser Staaten hat GENAU den Wodka, den ich unbedingt mal probieren musste. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen. Abgesehen von den Fruchtlikören, die die zerfallenen Balkanstaaten anbieten. 

Zwischen mecklenburgischen Matjesbrötchen, australischen
Känguru-Krakauern, Spessart-Spanferkeln und ukrainischen Maultaschen laufe ich in der Bayern-Halle fast den Bundeslandwirtschaftsminister über den Haufen, dessen eigene Halle nebenan ist und der in der Vertretung der einzigen Region, in der er gewählt werden kann (die sich in der Nähe präsentierende russische Arktisregion wäre auch mal ein geeigneter Treffpunkt), mal hallo sagen will. Mit dabei hat er einen Tross von Fotografen - Wach- und Sicherheitspersonal sehe ich nicht. 

In der Frankreichhalle bestelle ich Austern, ganz original in Französisch. Die Bedienung bedient mich in Englisch mit hochdeutschem Akzent, selbst dann noch, als ich "Danke!" sage statt des saarländischen "Merci!".

Eine Reise zur Grünen Woche in Berlin lohnt sich auf jeden Fall, wer Geld sparen und das Max-Ophüls-Festival nicht verpassen will, dem sei ein Besuch auf dem Gourmet-Markt St. Ingbert empfohlen. Auch da kann man für gutes Essen gutes Geld ausgeben.