Samstag, 24. Dezember 2016

Gedanken zu Weihnachten

Ich komme aus sehr katholischen Gegend, aus einer katholischen Familie. Ich habe mich als Kind und als Jugendlicher sehr in der Kirche engagiert, wurde als eine Art Priesternachwuchs gesehen - was man bis heute daran merkt, dass ich beruflich fast schon seelsorgerische Arbeit mache und von attraktiven Damen eher als Berater und emotionaler Unterstützer denn als Liebhaber geschätzt werde. Ich kenne mich also mit dem Christentum ziemlich aus.

Als ich als Kind erfuhr, dass auch Weihnachten einen christlichen Hintergrund haben sollte, fand ich das wundersam. Nichts am Weihnachtsfest ist in irgendeiner Weise christlich. Das Weihnachtsfest wird in der Kirche "Geburt Christi" genannt. Dazu wird neben den Weihnachtsbäumen, den bunten Kugeln, dem Lametta und den Kerzen eine Krippe aufgebaut.

Warum aber soll die Geburt des Religionsgründers ein Feiertag sein, wenn es dem Christentum als Schriftreligion eigentlich darum geht, die Ideen und Vorstellungen zu verbreiten, die dieser Religionsgründer Josua Ben Josef gehabt hat?

Das macht keinen Sinn! Im Jahre Null war die Zeit reif für die Schriftreligion. Das römische Reich - wie zuvor das griechische - hatten die Zivilisation soweit voran gebracht, dass die alten Religionen, die überall verbreitet waren, keinen Sinn mehr ergaben. Die alten Religionen orientierten sich ausschließlich an Naturgegebenheiten.

Es gab Regengötter, Sonnengötter, Meeresgötter - In der Zeit, in der die Landwirtschaft die Leitkultur unserer Gesellschaften war, von -10000 bis 0, war es wichtig, die Naturgewalten zu ehren, in der Hoffnung, ordentliche Ernte zu erhalten und von Naturkatastrophen verschont zu bleiben.

Eines dieser Naturereignisse ist die Polarnacht. Im Winter ist es immer dunkel, im Sommer eher hell. Je näher am Pol man wohnt, desto unangenehmer der Winter. Wenn der Höhepunkt überschritten ist, einige Tage nach der Wintersonnenwende, triumphierten die Germanen: Sie feierten mit reichlich Met den Zeitpunkt, an dem das schlimmste überstanden ist: Weihnachten!

Der Katholizismus, eine Art Behörde des Christentums, wollte natürlich, dass an den bekannten Festen ihr Programm gefeiert wird, nicht das der alten Götter. Also legte man die "Geburt Christi" auf Weihnachten, so wie man Ostern aufs jüdische Pessachfest legte oder Fastnacht auf das Fest des Frühlings.

Doch die Germanen ließen sich dadurch nicht beeindrucken. Die kleine Krippe verschwindet unter dem großen geschmückten Nadelbaum - Symbol einer Pflanzenart, die sich durch den Winter nicht beeinflussen lässt und weiterhin ihre grünen Nadeln stolz vor sich her trägt.

Jesus hätte den Kult um seine Person doch gar nicht gewollt! Seine zentrale Botschaft ist ihm wichtig gewesen: Altruismus in hoher Dosis tut unserer Gesellschaft gut und bringt uns nach vorn!

Um das zu wissen, braucht man kein Weihnachten, nicht mal mehr das Christentum: Eine Studie hat belegt, dass Atheisten in der heutigen Zeit menschenfreundlicher sind als organisierte Christen, egal in welcher Kirche auch immer.

Jesus kann sich freuen. Seine Botschaft ist angekommen. Andererseits findet er es vermutlich nicht wirklich prickelnd, dass seine Amtskirche zum Beispiel gegen Abtreibungen agitiert und junge Mädchen, die einen Fehler gemacht haben, ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie diesen Fehler korrigieren wollen.

Genauso wenig glaube ich, dass Jesus ein Mensch gewesen wäre, der zugelassen hätte, dass seine Geburt als Kult zelebriert wird und den Germanen nebenbei ihr Wintersonnenwende-Fest Weihnachten genommen wird.

Lassen wir uns von der Kirche nicht vorschreiben, wie wir leben und feiern wollen. Achten wir die Idee von Jesus, aber denken wir daran, dass man Altruismus und Selbstaufgabe auf gar keinen Fall übertreiben darf.

Wichtig ist der Frieden unter den Menschen. Darin sind sich (fast) alle einig.

Euch allen Frohe Weihnachten.

1 Kommentar:

  1. Lieber Jens,

    ich denke auch, dass sich auf deinen Schlusssatz alle irgendwie einigen können (sollten). Vieles von dem, was du davor geschrieben hast, ist diskutabel, zumal ich, als Protestant, sowieso noch einmal eine andere Sichtweise auf die Institution "Kirche" habe. Und die evangelische Kirche sich in Teilen (zum Glück) auch anders darstellt, als es die katholische tut. Selbst heute noch, über 2.000 Jahre nach Christi (festgelegter) Geburt.

    Ich wünsche dir auch ein frohes Fest, ruhige Tage und Frieden!

    Liebe Grüße
    Michael

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